Blindenführhund - ein Spitz - kann der sowas?

Und ob!

Bilder von Yallas Arbeit als Blindenführ-Hund.

Auf das Bild klicken.


Nach meinen eigenen Erfahrungen mit Hunden aus einer größeren Blindenhundeschule entschied ich mich, meinen nächsten Hund selbst auszubilden.

Den Spitz suchte ich mir sehr bewusst aus.

 

 

Meine Kriterien waren folgende:

Der Hund sollte anhänglich sein, nicht jagen, die ganze Familie lieben, robust und gesund sein. 

Das Fell sollte nicht riechen, und Spitzohren und Ringelrute gefallen mir einfach .

Die Größe von etwa 50cm war auch noch ein Kriterium.

Außerdem Intelligent - ihm sollte das Lernen und die Arbeit mit dem Menschen Freude bereiten.


Schließlich ist die "Führarbeit" für den Hund nur ein SPIEL, genau gesagt, ein Suchspiel.

Ein Blindenführhund führt eigentlich nicht in dem Sinne,er benötigt, wie jeder andere Hund, selbst Führung durch den Menschen. Er muss dem Menschen vertrauen können und der Sehbehinderte oder Blinde ist dafür zuständig auf den Hund aufzupassen. Hört man doch öfter: "Der Hund passt aber schön auf sie auf!" Nein. Der Hund spielt, er sucht Dinge und wenn er sie gefunden hat, bekommt er eine Belohnung.

 

 


Der Mensch führt den Hund und sagt ihm seine Aufgaben an. Anuk zeigt eine Ampel.

 

 

So kam ich auf den Großspitz und nach längerer Suche zu meiner Anuk.

Mit 14 Wochen kam sie zu uns, ich habe sie sehr sorgfältig sozialisiert, sollte sie doch später auf Bahnhöfen, mitten in der Stadt, oder mitten im Wald "cool" sein.

Naja, Anuk war sowieso cool....

Die Ausbildung lief spielerisch nebenher, Spitze lernen sehr schnell, brauchen kaum Wiederholungen und vergessen so gut wie Nichts.

Ich bilde ausschließlich durch positive Bestätigung aus, mit einem Jahr kannte Anuk sämtlich Suchbegriffe. Sie lernte Bänke, Ampeln, Bahnhofsschalter, Eingänge, usw. zu unterscheiden


Treppen und Lifte zu finden und an jeder Bordsteinkante zuverlässig anzuhalten. Am Bahnhof dürfen die "Auffangstreifen" nicht übertreten werden, wenn der Zug da ist, sollte die Tür und ein freier Sitzplatz gefunden werden.

 

Mit gut einem Jahr lernte Anuk, und später auch Yalla, das Geschirr kennen. Dieses ist NICHT zum festhalten da. Es ist eine sensible Verbindung zwischen Mensch und Hund. Der Mensch spürt so ganz genau wie der Hund läuft - Der Hund verknüpft mit dem Geschirr, dass er sehr groß und breit ist. Nämlich genauso groß wie er zusammen mit dem Menschen. 

So lernt er, mit Geschirr kommt er nicht unter Schranken, tief hängenden Ästen, o.ä. durch und sollte kreative Lösungen finden, diese zu umgehen, oder wenigstens stehenbleiben. So stößt sich niemand den Kopf.


Mit eineinhalb Jahren stellte ich Anuk einem sehr erfahrenen Gespannprüfer vor. Wir liefen eine uns völlig unbekannte Strecke quer durch Nürnberg, noch dazu in der Vorweihnachtszeit, ab. Anuk war überall sicher, selbst in der U-Bahn ( völlig fremd für sie) und im Gedränge des Weihnachtsmarktes.

 

Auch Yalla arbeitet sehr sicher und gelassen, auch in fremder Umgebung verliert sie nicht den Überblick, und niemals die Motivation!

 

Spitz als Blindenführhund? Aber ja!

Auch beim Blindenführhund macht die Arbeit übrigens nur einen Teil des Hundelebens aus, wie beim Polizeihund, Rettungshund oder Jagdhund. Er ist genauso Hund wie alle anderen auch.

 

Ein umfassender Bericht, auch mit allgemeinen Infos zum Thema Blindenführund ist auf der Seite des Spitzliebhabervereins zu finden: